Vorbericht:
Wir haben schon viel gesehen bei dieser WM, aber so richtig überzeugt haben bisher nur die Holländer und auch die hatten in der ersten Halbzeit Probleme, was gerne vergessen wird. Etwas Hilfe beim 1:3 vom Schiedsrichter und dann lief alles von allein. Weder glaube ich, dass Holland nun der Turnier-Top-Favorit, noch dass Spanien schon raus ist.
Auch alle anderen mehr oder weniger geheimen Favoriten hatten einige Mühe, ins Turnier zu starten. Egal ob Brasilien, Italien, England, Frankreich, Chile, Uruguay oder Argentinien. Erst nach dem zweiten Spiel wird man sehen, wie sich die Teams einfügen werden. Das Potential für mehr haben sie alle, auch wenn manche Mannschaft auch spielerisch enttäuschte. Bleibt nur das allseits so ungeliebte Abwarten und Tee trinken.
Für Deutschland geht es heute erstmal ums erste Spiel. Eine harte Bewährungsprobe und dennoch ist man Favorit. Wenn auch nicht ganz so deutlich. 2,05 ist die Quote für einen deutschen Sieg. Und die Wettanbieter wissen es meist am besten, zumindest was das Risiko und die Wahrscheinlichkeit angeht. Zum Vergleich: Das ist in etwa die gleiche Quote wie beim Spiel Mexiko gegen Kamerun. Immerhin traf das dann auch ein. Mit einem 1:0 wie in diesem Spiel könnte man heute Abend auch leben, wenngleich man sich doch etwas mehr wünscht: Einen berauschenden Start in ein brasilianisches Samba-Fest. Da sollte es schon ein 3:0 oder 4:0 werden, um auch die Euphorie im Vaterland wieder zu entfachen, das voller Zweifler und Nörgler ist.
Die Unsicherheit ist groß. Zu wenig überzeugend waren die Länderspiele in den letzten Monaten. Und wie man seit dem Schweden-Spiel weiß, reicht selbst ein 4:0 Vorsprung nicht, um sich sicher zu sein. Das weiß auch die Konkurrenz. Zu null spielt Deutschland zuletzt nur selten, da geht immer was und die Offensivabteilung stotterte in den letzten Spielen ebenfalls.
Außerdem scheint es bei dieser WM bisher, dass sich Joachim Löw mit seiner Einschätzung verkalkuliert hat, dass es keinen Hochgeschwindigkeitsfussball zu sehen gäbe. Im Gegenteil, alle großen Fussballnationen versuchen, schnell nach vorne zu spielen und nehmen sich nur selten Auszeiten. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet die Spanier, die das Paradbeispiel für den Stil, den Löw so gerne immitieren möchte, sind, so triumphal scheiterten. Zwei drei gute Chancen pro Halbzeit genügten einfach nicht. Es bleibt zu hoffen, dass Deutschland mehr Drang zum Tor hat. Das Potential ist da, aber der Bundestrainer lässt mit Lahm im Mittelfeld und vier Innenverteidigern in der Abwehr seine defensive Grundordnung schon erahnen. Wir werden uns auf das zuletzt bekannte Handballsystem einstellen müssen. 70% Ballbesitz und alle 10 Minuten ein Abschluss. Joachim Löw scheint regelrechte Panik vor einem Gegentor zu haben, wohl weil er weiß, dass seine Mannschaft eventuell nicht allzu viele eigene schiesst. Das Prunkstück der Deutschen, die Offensive, scheint an die Kette gelegt.
Ich hoffe inständig, dass der Plan aufgeht, man die Portugiesen bis zu 65. Minute müde gespielt hat und es bis dahin noch 0:0 oder schlimmsten falls 0:1 steht, wenn Löw Podolski und Klose einwechselt, die dann mit ihrer Besessenheit und Leidenschaft die gegnerische Abwehr in Stücke reißen. Andernfalls erleben wir ein Debakel.
Ich erwarte, dass die deutsche Mannschaft, wie in den letzten Spielen auch, in den ersten 10 Minuten enorm aufs Tempo drücken und versuchen wird, in Führung zu gehen. Danach wird man sich zurückziehen und versuchen, das 0:0 bis zu Pause zu halten. Ab der 60 Minute wird mit offensiven Einwechslungen, dann nochmal Tempo gemacht. Das Spiel wird wohl ab der 60. Minute entschieden, wenn Portugal es nicht vorher tut.
Ich bin sehr nervös und hin und her gerissen, aber das geht wohl allen deutschen Fans so in diesen Tagen. Hoffentlich zerstreut die Mannschaft heute Abend alle Zweifel!
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